Paul Hupfer) zusammen mit dem Kaufmann William Rieck (Disponent a. D.), der bereits 1928 und noch nach dem 2. Weltkrieg im Hause in der 2. Etage wohnte, Eigentümer des Hauses. 1994 kaufte die Grundstücksgesellschaft Hasche & Gräber das Haus von der Erbengemeinschaft und sanierte es bis Anfang 1995 (Foto Seite 25 unten). Dass keine Mietwohnung mehr zu haben ist zeigt, dass sich das Engagement für das betagte Haus gelohnt hat. Wohnen in ruhiger Lage und dennoch mit guten Verkehrsanbindungen und vor allem die Nähe zum „Eutritzscher Zentrum“ machen den Wohn- wert aus. In der Görlitzer Straße bzw. Braustraße fi nden wir von Anfang an eine Mischung von Wohnhäusern und Gewerbe- und Handwerksbetrieben. Ansässige Betriebe waren z.B. die Sportartikelfabrik Eichwald & Co., die Rauchwarenfärberei Uhlig & Sohn, die Obstweinpresserei Lochstampfer, das Speditionsge- schäft Löw, die Fenstervorhangfabrik Schmidt & Co., die Fischräucherei Th iemich, die Nährmittelfa- brik Sieber und die Armaturenfabrik Jaeger, Rothe & Nachtigall (früher Maschinenbauanstalt Grob & Co.) und die Brauerei Pottkämper. Wichtige Ladengeschäfte waren Bäckerei, Schuhmacherei und Produktenhandlung. Eine Wäscherolle gab es in der damaligen Braustraße 14 (heute Görlitzer Straße 20). Das gutbesuchte Restaurant „Brauhof“ in der Görlitzer Straße 22 (ehemals Nr. 13, früher Braustraße 13) verstand sich vor allem als Treff der Arbeiter. Sozialdemokraten gründeten hier am 8. Januar 1898 den gemeinnützigen Verein Leipzig-Eutritzsch. Historische Ansichten von Eutritzsch (15) Dezember 2004 Die Seitengasse 6 – Das Fachwerkhaus am Eutritzscher Markt Wer heute, in einer Zeit ohne Schmiede und ohne Hirtenhaus, ohne Gosenschänke und ohne Kümme- lapotheke und ohne die anderen altehrwürdigen Eutritzscher Schänken das „alte“ Eutritzsch sucht, wird dennoch am Eutritzscher Markt fündig. Eingangs der Seitengasse steht mit der Nummer 6 seit Jahr- hunderten ein Gebäude, das Geschichten erzählen könnte. Beim Betreten faszinieren die dicken Lehm- mauern und das üppige Gebälk des oft umgebauten Hauses. Das Gebäude ist nicht unterkellert, doch hof seitig gelangt man über etliche Stufen hinab in einen kleinen, abgewinkelten, geheimnisvoll anmu- tenden, kellerartigen Raum. Im hinteren, Richtung Seitengasse 5 zeigenden Ende befi ndet sich ein über- wölbter, nunmehr verfüllter ehemaliger Brunnen, die einzige Wasserstelle, die es in diesem Haus früher gab. In eisigen Wintern sollen die Dorfbewohner hier ihr Wasser geholt haben. Eine kleine Fensterni- sche deutet auf ein zugemauertes Fenster hin. Rechts daneben führte eine Tür hinaus Richtung Dorf- platz. Beim Abbruch der auf der linken Gebäudeseite angrenzenden Häuser, Seitengasse 5 und 4, im Jahre 2003, wurden an der freigelegten Giebelwand drei Fenster und zwei Türen sichtbar. Gedanken versinken in eine Zeit, da das Haus noch freistand. Um 1820 war Christian Gottlob Biener Eigentümer des Grundstückes, das oft seinen Besitzer wechselte. So kaufte August Wilhelm Schmidt, Wirt der Kümmelapotheke, das Grundstück, zu dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie ein Garten gehörte, 1852 für 1800 Taler. Unter Geltendmachung des Vor- kaufsrechts erwarb es dann Friederike Elisabeth Jeschna aus Leipzig von A.W. Schmidt. Die heutige Seitengasse war zu dieser Zeit ein schmaler Fußweg und nur die Häusler des Dorfes (1705 gab es einen Häusler, 1836 waren es bereits sieben) besaßen hier, ausgehend von der Südseite des ehema- ligen Dorfplatzes, ein kleines Anwesen. Für das Grundstück in der Seitengasse war jährlich ein Häusler- geld von drei Groschen und neun Pfennigen an den Eutritzscher Pfarrer zu entrichten. Zwischen Seitengasse und damaliger Delitzscher Landstraße befand sich bis 1865 der Eutritzscher Ge- meinde-Kirschanger. Die Hausbewohner hatten somit noch einen freien Ausblick. 1855 erwarb Johanne Erdmuthe Kleine das Grundstück. Anstelle der bisherigen Nummern 25a und 25b traten 1857 die Nummern des neuen Flurbuchs, 5a und 5b. Durch Trennung der Parzellen infolge von Erbschaften entstanden bis 1864 die Flurbuchsnummern 5c, 5d, 5e und 5f. Friederike Emilie Kerzler 28